Titelbild: Backsteinmauer an der Grabenstraße im Originalzustand, 1982
Hochsommer 1944, der Krieg war so gut wie vorbei. Unter dem Eindruck der kurz zuvor stattgefundenen verheerenden Bombardierung der Stadt ermordete ein aufgestachelter Mob aus Rüsselsheimer Bürgern sechs amerikanische Piloten, die anläßlich ihrer Überstellung ins Lager zufällig hier vorbeieskortiert worden waren.
Es war eines dieser Endphaseverbrechen, die im Nachkriegsboom der 50´er Jahre nur hinter vorgehaltener Hand erwähnt wurden, weder in der Öffentlichkeit noch am Mittagstisch in der Familie, auch meiner eigenen nicht. Verdrängt und totgeschwiegen, denn andere Dinge waren jetzt wichtiger.
So stand der Ort des Verbrechens, die Backsteinmauer, die die Grabenstraße von den Gleisen trennte, noch bis in die 1980´er Jahre im Originalzustand dort. Dunkel und rußgeschwärzt behielt sie die Erinnerung an die Tat für sich.
Anfang der 2000´er Jahre begann sich dank des Engagements einiger Bürger das Bewußtsein zu entwickeln, diesem dunklen Teil der Lokalgeschichte angemessen zu gedenken. Ein Mahnmal wurde anstelle der alten Mauer errichtet, die der Umgestaltung des Areales weichen musste.

Ob die hellen Ziegel mit der aseptischen Umrahmung aus Edelstahl die Erinnerungen tatsächlich so angemessen konservieren können wie die alte Mauer aus verwitterten Backsteinen und rostigen Stahlprofilen entscheiden Sie bitte anhand der Fotos für sich selbst.