In den Hallen von Rüsselsheim

Titelbild: Es fällt nicht schwer, sich in dieser Umgebung das Donnern der Maschinen vorzustellen

Meterhoch spritzt das Öl aus den Dichtungen der Druckzylinder, wenn die Kaltfließpressen Rohlinge für Radschrauben stauchen. Die Luft erhitzt sich ohne Vorwarnung in dem Moment, in dem sich die Türen der Öfen zum Auswurf gehärteter, noch rotglühender Wellen zur Seite bewegen. Der Lärm ist ohrenbetäubend, rhythmisch stampfend, im Takt pochend, manchmal leise sirrend. Ein Ort, am dem nichts stillsteht.

So war es etwa noch vor etwa zwanzig Jahren, als aus den backsteinverblendeten Werkshallen unmittelbar hinter dem Opel-Hauptportal rund um die Uhr Blechteile, Zahnräder und Motoren flossen.

Vorbei, heute ist nichts mehr davon geblieben. Die Maschinen sind verschwunden, genauso wie die Menschen, die sie bedient haben. Die Hallen sind leer, die Böden aufgerissen, an stählernen Säulen nagt der Rost.

Spiegelpanorama einer Säulenreihe in einer der alten Werkshallen. Eine Fotomontage, um die Monotonie der Architektur zu betonen

Dort, wo früher etwas geschaffen wurde, lagern heute Speditionen ihr Transportgut. Immerhin Helene Fischer kam schon vorbei, um die rauhe, außergewöhnliche Atmosphäre als Kulisse für einen Videodreh zu nutzen.  

Wie durch Fenster in einer Kirche fällt das Licht ins Innere der Produktionshalle

So konservieren die alten Werkshallen in Rüsselsheim die Erinnerungen an eine Zeit, in der Produkte aus Stahl und Eisen Prosperität bedeuteten und  Intelligenz noch nicht künstlich war.

Schilder, seit Jahrzehnten nicht mehr angerührt
Säulen aus Beton stützen das Hallendach

Wenn Sie jetzt einmal selbst einen Blick in die Hallen werfen wollen, so ist das zumindest von außen durch die Fenster jederzeit möglich. Betreten ist in der Regel verboten, doch habe ich werktags die Mitarbeiter der Speditionen und Firmen, die die Flächen gemietet haben, meist als sehr entgegenkommend erlebt, wenn man mal kurz reinkommen und sich umschauen wollte.

Einst entstanden hier Autos. Spiegelpanorama (Fotomontage), das die auf reine Funktionalität reduzierte Bauweise wiedergibt

Die beste Gelegenheit für eine Besichtigung aber besteht im Rahmen einer Führung des Stadt- und Industriemuseums Rüsselsheim, die mehrmals im Jahr angeboten und über die Website zu buchen ist. Ein außergewöhnliches Erlebnis!

Die Fotos in diesem Beitrag entstanden in den Jahren 2018 – 2026.

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