Mein Indien

Das Empire ist bunt


Indien: Mystische Klänge im Tempel, ein Guru der weltentrückt unter einem Baum seinen Meditationen nachgeht. Elefanten trompeten bei Sonnenaufgang an einem Wasserloch, Tiger schleichen fauchend durch den Dschungel. Exotische Gewürze verbreiten ihren Duft in der kühlen Abendluft, in der die Menschen in Teakholzsesseln entspannen, Darjeelingtee genießen und Rudiyard Kiplings "Dschungelbuch" in der Originalausgabe lesen......

Vergessen Sie es !

Indien ist laut, hektisch, anstrengend - und eines der interessantesten Länder, das ich kennenlernen durfte.

Warum? Indien rockt. Zumindest mich.Schon am Flughafen taucht man in eine andere Welt. Schrill, laut und bunt. Vor allem bunt. Giftgrüne Motorrikschas verstopfen die Strassen, an den Häuserwänden kleben Werbeplakate fuer Bollywood-Schinken und die Frauen sind in Saris gekleidet, safrangelb, purpurrot, unglaublich stilvoll und elegant.
In Indien ist noch nicht so die internationale, westlich geprägte Alltagskultur angekommen, wie z. B. in China.  Zwar gibt es auch coffee to go - shops, doch ist der mittägliche Marsala-Tee am improvisierten Strassencafe mindestens genauso beliebt.

Überhaupt, das Essen - eine Offenbarung. Egal ob "veg" oder "non-veg", ich habe selten so gut gegessen wie in Indien. Die meisten Gerichte basieren auf Gemüsen, die mit raffiniert gewürzten Sossen angeboten werden. Erstere sind dabei überhaupt nicht exotisch: Linsen, Blumenkohl und anderes in der Art. Die Sossen haben es aber in sich und nicht umsonst kam Vasco da Gama vor Jahrhunderten wegen der  Gewürze nach Indien.

Dass das Land geprägt ist vom Hinduismus ist Gegenstand der Darstellung in vielen westlichen Publikationen, angefangen von den täglichen Nachrichten bis hin zu den "Indiana Jones"-Streifen - und es stimmt. Doch war es für mich anfänglich überraschend zu sehen, wie stark der Islam zumindest Nordindien beeinflußt hat. Die Moscheen und Festungen dort gehören fuer mich schlichtweg zu eindrucksvollsten Bauwerken, die ich bis jetzt in meinem Leben gesehen habe, und ich bin schon über 50!

Trotzdem durchdringt und bestimmt der Hinduismus das Leben vieler Menschen in Indien, sgar bis in die Politik hinein. Nicht wenige Politiker nutzen den Hinduismus, den es in dieser bestimmenden Form nur in Indien gibt, als Abgrenzung und Identifikationsmerkmal ihres Staates. So hat diese Religion in Indien auch eine nationalistische Komponente, was man schnell merkt, wenn man dort Nachrichten schaut oder Diskussionen zuhört.

Doch: Das Empire ist noch nicht ganz verschwunden! Bei aller Betonung der nationalen Eigenständigkeit Indiens ist das koloniale Erbe Großbritanniens unübersehbar. Im wahrsten Sinne des Wortes: Das häufigste Taximodell ist der "Ambassador" der Firma Hindustan Motors, nichts anderes als der Morris Oxford Series lll aus den späten 50er Jahren. Ganz zu schweigen von den Royal Enfield - Motorrädern, Objekt der Begierde eines jeden Expats dort.

Ganz offensichtlich und deutlich spürbar im täglichen Leben ist noch ein anderer Aspekt des untergegangenen britischen Weltreiches in Indien präsent, nämlich der der Klassengesellschaft. Sie überlagert sich dort mit dem hinduistischen Kastenwesen, ist also nichts Gesellschaftsfremdes und deshalb auch weitgehend akzeptiert.
Im Gegensatz dazu stehen gerade im ländlichen Raum Aktivitäten kommunistischer Gruppen, doch wird das Kastenwesen eher durch neue städtische Millieus (z.B.  den IT-Yuppies) so langsam in Frage gestellt.

All diese Gegensätze und die wirkliche Exotik machen Indien für mich so interessant. Und nebenbei ist es ein tolles Reiseland für individuelle Trips, denn es gibt Eisenbahnverbindungen bis in den letzten Winkel und die Kommunikation ist durch Englisch als quasi zweite Landessprache kein Problem.

Schauen Sie sich doch mal meine persönlichen Highlights an und klicken Sie dazu einfach auf die passenden Textzeilen in der Liste unten.



 
1. Varanasi - Die Erlösung durch die Flußgöttin
2. Park Street Cemetery, Kolkata - Zeugen des Empires
 

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