Titelbild: Die Statue des tamilischen Dichters Thiruvalluvar am Kap Komorin (Kanyakumari)
Gemächlich zockelt ein Zug dahin; sein Namenszusatz “Expreß” ist wirklich nicht wörtlich zu nehmen. Aber es ist die Erholung pur an der offenen Waggontür zu sitzen, einen heißen Kaffee aus dem Pappbecher zu schlürfen und den Fischreihern zuzusehen, die über die gefluteten Reisfelder staksen.
Es geht schnurstracks nach Süden, vorbei an strohgedeckten Hütten und Palmenhainen. Wilde Pfaue stolzieren duch die Landschaft und an Bahnübergängen warten gelbe Tata-Busse mit Kindern in Schuluniformen darauf, daß die Schranken wieder hochgehen.
Noch einige weitere Stunden gemächlicher Zugfahrt und Kanyakumari ist erreicht, da, wo ein paar rundgewaschene Granitblöcke das Ende des indischen Subkontinents anzeigen. Und wie immer bei Endstationen wirkt auch hier die Aura des Mysthischen; die Gewissheit, das jetzt nichts mehr kommt außer der großen, öden Weite ist tief drinnen spürbar.


Und genau dieses spirituelle Erlebnis macht den Reiz Kanyakumaris aus. Am Meer zu sitzen, den Wellen zuzusehen, die sich an den Felsen brechen und seinen Gedanken nachzuhängen. Nur wegen der Landschaft herzukommen, lohnt eigentlich nicht, denn die ist unspektakulär und zudem noch ziemlich ramponiert vom letzten Tsunami.
Die Fotos in diesem Essay stammen aus dem Jahre 2019.