Zur Brücke am Kwai

Thailands wilder Westen




1. Mit der "Eisenbahn des Todes" Richtung Burma


2. Unterwegs mit der Thailändischen Staatsbahn


3. Über die Brücke am Kwai


4. Um Sankhla Buri





1. Mit der "Eisenbahn des Todes" Richtung Burma


Die späten 70’er Jahre in Rüsselsheim: Hochsommer, Werksferien bei Opel, die Stadt wie ausgestorben.

Mangels Publikum macht das örtliche Kino auf Kultur und führt täglich wechselnde Filme anderen Zuschnitts auf: Viel Experimentelles, abseitiges vom Mainstream, aber auch Klassiker. Erst später wurde mir klar, welche Juwelen da gezeigt wurden: „Easy Rider“ von Dennis Hopper, „Taxi Driver“ von Martin Scorsese, solche Sachen eben, New Hollywood. Filme, die immun gemacht haben gegen die ganze Peter Alexander- und Sportschau-Ödnis, die sonst damals das Fernsehprogramm beherrschte.

Im Rahmen dieses Sommerprogrammes lief auch immer der Filmklassiker „Die Brücke am Kwai“ mit Sir Alec Guinnes in der Hauptrolle; ein Drama über alliierte Kriegsgefangene, die für die japanische Armee Zwangsarbeit beim Bau einer Eisenbahntrasse durch den Dschungel leisten mussten.

Was ich damals nicht wusste war, daß das Hauptmotiv des Filmes, die Eisenbahnbrücke über den Fluss Kwai nämlich, tatsächlich existiert; in Kanchanaburi, weit im Westen Thailands.



Publikumsverkehr auf dem Provinzbahnhof von Kanchanaburi im Westen Thailands


Von Bangkoks Thonburi-Bahnhof aus dauert eine Zugfahrt nach Kanchanaburi heute nur wenige Stunden, Der Zug fährt nach dem Halt dort noch über die Brücke weiter nach Namtok, um dann von dort aus wieder zurück nach Bangkok-Thonburi zu zockeln. Ist man vorher aber bereits in Kanchanaburi ausgestiegen, hat man genug Zeit, Brücke, Museum und Kriegsgräberfriedhof zu besichtigen, bevor der zurückfahrende Zug einen wieder mitnimmt.

Der Ausflug ist so ohne Mühe als Tagestour von Bangkok aus zu machen – und eine wirkliche Alternative zu Badestränden, Bierbars und Buddha-Brimborium, mit denen man sonst so Thailand assoziiert.


2. Unterwegs mit der Thailändischen Staatsbahn


Sogar in Ostasien gibt es sie noch, die Möglichkeit, entspannt zu reisen. Sich Zeit  nehmen zu dürfen, die vorbeiziehende Landschaft betrachten und dabei auch gedanklich neue Perspektiven finden zu können.
Zugfahren in Thailand fällt in diese Kategorie. Es ist das krasse Gegenteil zum chaotischen Straßenverkehr, den Motorrollern und Pick-ups, die sich oft nur im Schritttempo vorwärts bewegen. Thailand ist ein Schwellenland mit einer im Entstehen begriffenen Mittelschicht, für die das eigene Auto ein Statussymbol ist.

Neben Studenten und touristischen Backpackern wird die Bahn von der Landbevölkerung zu Fahrten in die größeren Städte genutzt. Es ist auch für Ausländer sehr einfach, Tickets zu kaufen, Schalter gibt es an jedem Haltepunkt. Oft sind die Schnellverbindungen -bitte nicht allzu wörtlich nehmen- von und nach Bangkok schon ausgebucht, hier sollte man einige Tage vorher die Fahrkarte kaufen. Für die Züge allerdings, die an jeder Scheune halten, gibt es immer Tickets.
Und eine Reise in gerade diesen Zügen ist ein Erlebnis. Offene Fenster ersetzen die Klimaanlage. Die Passagiere repräsentieren einen Querschnitt durch die thailändische Landbevölkerung, vom Mütterchen mit dem Riesenkorb Nüsse über die atemberaubende Dorfschönheit bis hin zum in orangene Gewänder gehüllten buddhistischen Mönch.

Das thailändische Eisenbahnnetz ist zwar nicht besonders dicht, doch gibt es Strecken in jede Himmelsrichtung, nach Süden sogar eine Verbindung über Kuala Lumpur bis nach Singapur.
Wer jetzt Lust bekommen hat, das Flair einer ostasiatischen Bahnreise zu spüren, dem rate ich zu einem Tagestrip von Bangkok zur alten Tempelstadt Ayutthaya. Der dauert nur ca. 1,5 h in jede Richtung und hat alles, was ein kleines Abenteuer ausmacht: Rumpelnde Waggons, aus der Zeit gefallene Provinzbahnhöfe, Tempelruinen wie aus dem „Dschungelbuch“ und natürlich die Kathedrale des Bahnhofs Hua Lamphong in Bangkok.

Es lohnt sich!



Irgendwo im thailändischen Hinterland rumpelt ein Zug über die Gleise



Holzklasse in der thailändischen Staatsbahn: Zwar kein Luxus, dafür aber auch kein Reisestress



Buddhistische Mönche reisen oft mit der Bahn




Hauptbahnhof Hua Lamphong in Bangkok. Gebaut wurde er Ende des 19. Jahrhunderts nach dem
Vorbild des in Manchesters



3. Über die Brücke am Kwai


Es könnte so idyllisch sein: Das schwarze Stahlfachwerk der Brücke kontrastiert mit dem roten Feuerball der untergehenden Sonne. Der Fluß glänzt silbern, auf dem einige Standup-Paddler ihre Runden drehen.
Doch die Geschichte dahinter malt ein anderes Bild, und das ist schwarz-weiß.

Anfang der 40`er Jahre hatte Japan Südostasien besetzt und bereitete sich auf die Invasion Britisch-Indiens vor. Eine Eisenbahn, die Rangoon in Burma mit den Häfen im Golf von Thailand verbindet, sollte den Nachschub sichern.
Ab 1943 bauten zehntausende Kriegsgefangene und Romusha, asiatische Zwandsarbeiter, unter unmenschlichen Bedingungen die Trasse. Zehntausende starben dabei.

Die Erinnerung daran wird in Kanchanaburi in einer sehenswerten Ausstellung samt Soldatenfriedhof wachgehalten. Mindestens genauso eindrucksvoll ist meiner Meinung nach aber die Gedenkstätte am „Hellfire Pass“, die man von der heutigen Endstation am Bahnhof Namtok mit dem Taxi nach kurzer Fahrt erreicht.

Außerdem trifft man zwischen Kanchanaburi und Namtok immer wieder auf Relikte dieser Zeit , wie schwindelerregende Brückenkonstruktionen und Wasserbehälter zur Versorgung der japanischen Dampfloks.




Die berühmte Eisenbahnbrücke über den Fluß Kwai


Klassischer Stahlbau - Niete statt Schweißnähte




Thailand - Das Land of Smile






Der Zug fährt im Schritttempo über die Brücke.
Die heutige Stahlkonstruktion wurde nach dem Krieg als Reparationsleistung von den Japanern gebaut.
Der ursprüngliche Übergang bestand aus Holz und fiel zum Ende
des Krieges einem amerikanischen Fliegerangriff zum Opfer





Langsam fährt der Zug über das Wang Po-Viadukt am Steilufer des Kwai, wichtiger Streckenabschnitt der Todeseisenbahn kurz vor Namtok


Heute eine Gedenkstätte: Die von Zwangsarbeitern in Handarbeit geschnittene Konyu-Schlucht am Hellfire-Pass



Unmittelbar hinter der Grenze zu Myanmar liegt noch das Gleis der Todeseisenbahn


4.  Um Sankhla Buri


Namtok ist Endstation. Von hier ab geht es nur auf der Straße weiter, nach Nordwesten an die burmesische Grenze.

Die Fahrt im Taxi oder Minibus geht durch den Dschungel, vorbei an Wasserfällen, Stauseen und grandiosen Nationalparks. Um die zu erwandern, muß man sich einer Führung anschließen. Mir war das nicht möglich, da wegen der Corona-Pandemie Gruppenaktivitäten eingestellt waren. Schade.

Letzte Stadt auf der thailändischen Seite ist Sankhla Buri, ein freundlicher, moderat touristisch geprägter Ort, dessen Bevölkerung zum Großteil aus lokalen Ethnien besteht. Es gibt viel zu sehen dort, wie z.B. die Saphan Mon-Brücke, eine der imposantesten und größten Holzbrücken der Erde.
Oder die alte Tempelanlage Wat Wang Wirekaram, die in den 80`er Jahren im Stausee versank, heute bei Niedrigwasser wieder auftaucht und eine geheimnisvolle Aura verbreitet.

Noch etwa 20 km weiter nach Nordwesten, und der „Drei-Pagoden-Pass“ ist erreicht. Unmittelbar hinter den drei strahlend weiß getünchten Pagoden befinden sich die Grenzbefestigungen, die Myanmar von Thailand trennen. Es ist der alte Übergang der Todeseisenbahn nach Burma, deren Gleise jenseits der Grenze noch liegen.



Ein Dorf auf Pfählen im Grenzgebiet zu Myanmar



  Am Saiyok Noi-Wasserfall.
Die Gegend um Kanchanaburi ist ein beliebtes Wochenendziel für die Bewohner Bangkoks



Eine schwindelerregende Konstruktion komplett aus Holz: Die Saphan Mon-Brücke in Sankhla Buri



Ein Nebentempel des versunkenen alten Wat Wang Wirekaram


Auch hier zollt man Respekt dem Glauben an die Wiedergeburt




Das Ende Thailands am Drei-Pagoden-Pass. Im Hintergrund weht die Fahne Myanmars.


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