Mein Shanghai

Die Beständigkeit des Wandels   


Internationale Flagshipstores in der Nanjing Lu, glitzernde Hochhausfassaden in Pudong, freie Fahrt mit der U-Bahn bis zum Flughafen – noch nicht lange ist das so.

Als ich vor etwas mehr als 20 Jahren das erste Mal nach Shanghai kam, sah alles noch ganz anders aus.

Stadtpläne von damals kann ich heute komplett in die Tonne treten, die Visitenkarten mit Adressen interessanter Läden und guter Restaurants sowieso. Alles ist neu, der gefühlte Lebenszyklus solcher Lokalitäten übersteigt selten 3 Jahre.

Shanghai ist in dieser Zeit eine internationale Metropole geworden; modern, glitzernd und auch oft austauschbar. Dabei so schnelllebig, daß das, an das man sich heute gewöhnt hat, was einem vielleicht sogar ans Herz gewachsen ist, morgen schon verschwunden ist.

Ich denke dabei an den Straßen-Trödelmarkt in der Dongtai Lu mit dem Angebot an Buddha-Häuptern aus Stein, 300 Jahre alt, garantiert! und bestimmt nicht aus Beton, wer behauptet denn so etwas?: Abgerissen und Platz gemacht für Bürohochhäuser.

Ich denke auch an den Schuster mit seiner mobilen Werkstatt direkt vor meinem Appartementblock, der noch jedes Paar meiner Schuhe ruiniert und dabei in fließendem Englisch so lebhaft von Shanghai erzählt hat, daß es auf die Treter wirklich nicht mehr ankam: Verschwunden, Gott weiß wohin.

Und ich denke auch an die Kneipe ein paar Straßen weiter, in der sich Einheimische und Expats freitags nach Feierabend trafen, Musik einer Philippinoband im Hintergrund und bedient von einer Kellnerin mit solch einem Charme, daß es auch auf das dünne chinesische Bier nicht mehr ankam.

Shanghai verändert sich weiter, Tag für Tag; eine wirklich internationale Metropole, anstrengend und attraktiv. Heute dort zu leben, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, ist eine tolle Herausforderung!