Changbaishan

Der Blick nach Nordkorea


Die Blätter der Bäume färben sich gelb, am Nachmittag steht die Sonne schon tief und die Temperaturen sind angenehm – keine Frage, im frühen Herbst ist eine Tour zum Changbaishan am schönsten.

Die Luft am Fuße des Berges ist dann so ganz anders als die in den chinesischen Metropolen: klar, frisch und aromatisiert. Man glaubt, in einem europäischen Mittelgebirge zu sein, doch tatsächlich befindet man sich in Nordostchina, etwa 450 km östlich von Changchun, unmittelbar an der nordkoreanischen Grenze.

Der Changbaishan, der „ewig weiße Berg“, ist ein ruhender Vulkan von ca. 2400 m Höhe. Zuletzt ausgebrochen vor ca. 250 Jahren, hat sich die Caldera seitdem mit Wasser gefüllt: der „Himmelssee“, der touristische Hotspot in Nordostchina.

Seinen Namen hat der Berg übrigens von den fast weißen Vulkanascheablagerungen im Gipfelbereich erhalten. Die ganze Gegend um den Berg ist einer der größten Nationalparks Chinas und Lebensraum für den asiatischen Tiger, wobei die Wahrscheinlichkeit, einen zu Gesicht zu bekommen, aber gleich null ist.

Am schnellsten zu erreichen ist das Gebiet über den kleinen Flughafen Changbaishan, der täglich von Changchun, Beijing und anderen nordchinesischen Städten angeflogen wird. Eine Erkundung des Changbaishan dauert einen vollen Tag und beginnt an einem der Eingänge im Westen oder Osten des Naturparks.Individualität ist zumindest offiziell in China nicht vorgesehen, auch beim Wandern nicht. Die Besuchergruppen werden deshalb in Bussen zur Bergstation gefahren, von wo aus es über 1500 Stufen steil nach oben zum Himmelssee geht. Wieder zurück an der Bergstation fährt der Bus noch einige schöne Stellen in den Wäldern ab, bevor er wieder den Parkeingang erreicht. Eigentlich keine schlechte Idee, denn so wird die Natur in Schutz genommen vor unkontrollierten Besucherströmen – die man als Einzelwanderer allerdings nicht umgehen kann.

Die allermeisten Touristen kommen aus Nordchina selbst, einige Russen sind dabei, Westler selten und dann meist die Expatriates aus den Industriestädten Changchun und Shenyang. Es ist eben ein beliebtes Ausflugsziel und die touristische Infrastruktur am Fuße des Berges wird auch noch ausgebaut.

Nichts desto trotz aber ist eine Tour zum Changbaishan ein tolles Naturerlebnis und eine kleine Flucht aus den Betonwüsten der chinesischen Städte, übrigens auch eine der wenigen Möglichkeiten auf Tuchfühlung zum nordkoreanischen Staatsgebiet zu gehen.




Tuffklippen am Fuße des Changbaishan




Hellgraue Vulkanasche gab dem Berg seinen Namen




Mal rüberschwimmen? Nur zu! Auf der anderen Seite beginnt das Staatsgebiet von Nordkorea...




Warme Klamotten kann man sich ausleihen



Und als Belohnung nach der Besteigung gibt es Hühnereier, gekocht in heißem Vulkanquellwasser



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